bikeTRANSALP Trainingslager

Gute zehn Monate ist es nun schon wieder her, dass ich zum letzten Mal mit dem MTB in den richtigen Bergen unterwegs war. Der selbstorganisierte Spaß-AlpenX mit Andrea und Sigi von Leutasch zum Gardasee war zweifelsfrei das MTB-Highlight des vergangenen Jahres. Im Gegensatz zur dieser "gemütlichen" Alpenüberquerung mit eher langen und flachen Etappen, lag der Fokus in der vergangenen Woche eindeutig auf zu sammelnden Höhenmetern. Und das auch noch möglichst steil bergauf. Das Ganze soll ja auch als Vorbereitung der in fünf Wochen startenden bikeTRANSALP dienen.

Sigi hat sich bei der Routenplanung an der schwarzen Version des KAT Bike (KitzAlpTrail) orientiert und die Strecke mit ein paar Highlights aufgepimpt. Und unterwegs haben wir zusätzlich auch noch spontan den einen oder anderen Schlenker eingebaut.

Etappe 1: Freutsmoos - Priener Hütte

Basislager und Startort war Sigis Habitat im kleinen (winzigen), aber sehr schön gelegenen Freutsmoos im Chiemgau. Von dort ging es mit stetigem Blick auf die Berge durch Wiesen und Wälder zum Chiemsee. Das Wetter war perfekt und trotzdem war erfreulich wenig los. Es war ja auch Montag und wir waren früh unterwegs...

Vom Chiemsee folgten wir der Tiroler Achen bis Unterwössen, wo im Edeka erstmal die Getränke und Kalorienvorräte aufgefüllt wurden. Denn bald sollte es "in den Berg" gehen. Der Anstieg von Ettenhausen zur Wuhrsteinalm mit gut fünfhundert Höhenmetern stand auf dem Plan. Die Wuhrsteinalm war leider geschlossen - aber zum Glück gab es einen Selbstbedienungskühlschrank, den wir gerne und reichlich in Anspruch genommen haben. Die Preise waren fair und gerne legten wir auch noch 'nen Euro Trinkgeld mit in die Kasse.

Ortskundige haben sich wahrscheinlich jetzt schon überlegt, wie unsere Tour von hier weitergegangen ist!? Von der Wuhrsteinalm gibt es nämlich keinen fahrbaren Übergang zur Priener Hütte. Der Übergang zwischen Breitenstein und Geigelstein ist nur ein Wanderweg. Aber genau den hat Sigi eingeplant.


S: Das wollte ich schon immer mal ausprobieren...
M: Und da muss erst der Rheinländer kommen und das mit Dir angehen?
S: Jo, so ist des! Die andern wissen ja eh alle, dass es nicht geht! 

Und so schoben, trugen und zerrten wir unsere Bikes über den teilweise nicht mehr vorhandenen Wanderweg - der Winter 2018/2019 hatte seine Spuren hinterlassen. Ab 1500m lag noch reichlich Schnee und die Wege waren noch nicht wieder hergerichtet. 

Nachdem wir den Sattel zwischen den beiden Gipfeln erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass man auf der anderen Seite auch wieder heruntertragen muss. Sigis Gesichtsausdruck ließ mich erahnen, dass ihm das im Vorfeld schon klar war. Aber die Nacht auf der Priener Hütte war die Strapazen wert! Die Lage ist grandios, die Zimmer super, das Team nett und zuvorkommend und das Essen richtig gut. Allerdings ist der Spaß auch nicht ganz günstig. Zur "Halbpension" für gute 30€ kommt noch die Duschgebühr (3€) die Hüttenschlafsackmiete (4€) und - das hat uns dann am Ende überrascht - auch noch die Nächtigungsgebühr für den DAV iHv 30€ hinzu. Ein Haufen Geld - aber unterm Strich wars das echt wert.

Etappe 2: Priener Hütte - Hopfgarten

Der zweite Tag begann mit einer kurzen aber knackigen Abfahrt bis zu dem "Wegerl", von dem Sigi im Vorfeld auch noch nicht wusste, ob es "gehen" würde. Aber "es ging" und so fanden wir uns recht schnell, um genau zu sein nach zwanzig Kilometern, im Inntal wieder.

Wir folgten mal mehr, mal weniger genau dem Radweg bis Wörgl, tranken dort noch einen Kaffee und wagten uns anschließend in den ersten und letzten Berg des Tages. Und auch hier stand wieder "kurz und knackig" als Motto Pate. Wie eigentlich immer auf dieser Tour. Das Wetter war auch am zweiten Tag perfekt und so schlugen wir irgendwann am frühen Abend bei Sonnenschein in der unterwegs spontan gebuchten Pension Mamooserhof in Hopfgarten ein. Ein netter (holländischer) Gastwirt empfing uns und stellte sofort die Erstversorgung mit Weizenbier sicher. Und im Laufe des Abends zeigte sich auch, dass er mit der Nachlieferung ebenfalls keine Probleme hatte...

Etappe 3: Hopfgarten - Westendorf

Die heutige Etappe wäre im Tal nur sechs Kilometer lang, aber wir sind halt oben drüber gefahren. Belohnt wurden wir mit grandiosen Ausblicken, einem Pausenbier auf der Hütte und am Ende des Tages mit einem tollen Zimmer in der Pension Sonnwend in Westendorf. Und das Belohungsschnitzel im Biergarten des Hotels Post war auch sehr gut!  

Etappe 4: Westendorf - Kitzbühel

Königsetappe! Am Ende haben uns nur wenige Höhenmeter bis zur 2.000er-Marke gefehlt. Aber das war nicht schlimm! Wir starteten unsere Tour auf dem Radweg von Westendorf nach Brixen, um dann von dort das Gaisbergjoch durch das Brixenbachtal(?) zu erklimmen. Nach einem Weizen (alkoholfrei) auf der Kobingerhütte ließen wir es auf dem Wiegalmtrail richtig krachen. 

Wieder im Tal angekommen, fuhren wir auf dem Radweg nach Aschau "hinter" um von dort dem KAT auf den Pengelstein zu folgen. Im Skigebiet Kitzbühel erwartete uns recht viel Schnee, so dass die Passage zur Ehrenbachhöhe und anschließend auf den Hahnenkamm stellenweise recht abenteuerliche Züge annahm. Das abenteuerlichste an diesem Tag war aber die dann folgende Abfahrt über die Streif. Mit Ski bestimmt nicht einfach, aber mit dem Fahrrad ein echter Kracher...

Unser Nachtlager schlugen wir mondän im Hotel Gamshof auf - selbstverständlich im Zentrum von Kitzbühel. Die Pizza im CENTRO war sehr lecker, aber das 0.33er Weizen mit vier Euro deutlich zu teuer. Die Kellnerin war sehr nett und bemüht, der vermeintliche Chef eher ein arrogantes...

Etappe 5: Kitzbühel - Fieberbrunn

Unsere heutige Tour sollte uns eigentlich am Fuße des Kitzbüheler Horns auf den Harschbichel, dann wieder ins Tal und auf der nördlichen Seite des Tals auf den Kalkstein führen. Aber als wir auf dem Harschbichl ankamen, keimte die Idee auf, den Plan zu verwerfen und statt auf den Kalkstein, von hinten auf das Kitzbüheler Horn zu fahren. Dazu war aber die Passage über einen Wanderweg erforderlich, der von den Lawinen der letzten Monate gezeichnet war. Also zerrten, schoben und trugen wir unsere Bikes erneut durch Schnee, Schlamm und Unterholz und waren uns die ganze Zeit einig, dass es eigentlich nix geileres geben kann, als genau jetzt, genau hier an diesem Ort zu sein.

Sigis Vorschlag, einen Radwanderführer zu schreiben, bekam unter den gegebenen Umständen eine ganz neue Bedeutung. Irgendwann erreichten wir dann den Vorgipfel des Kitzbüheler Horns und ließen es für diesen Tag einfach gut sein. Wie will man das noch toppen?

Nach einer rasanten Abfahrt auf der Südseite des Kitzbüheler Horns und einigen Kilometern Radweg checkten wir in unserer Pension in Fieberbrunn ein. Nach einem halbstündigen Fußmarsch in das Zentrum belohnte uns der Gasthof Neue Post mit einer sehr leckeren Gulaschsuppe und Schnitzel. Und Weizenbier. Den Rückweg erledigten wir wie Rockstars mit dem Taxi. Gute Nacht!

Bonusetappe: Rund um den Asitz

Nach einem ausgiebigen Frühstück und fast schon philosophischen Smalltalk mit unserer Vermieterin Rosi, kam uns Sigis Heike mit dem VW-Bus einsammeln. Gemeinsam machten wir uns auf nach Leogang, um noch eine schöne gemeinsame Runde zu drehen. Drei Dinge wussten wir allerdings bei unsere Planung noch nicht: 

  • in Leogang war gerade Out of Bounds Festival (= Downhill Worldcup)
  • die Sonne kam nicht und oben am Gipfel hatte es maximal zehn Grad
  • Auf dem Asitz lag noch Schnee und unsere geplante Strecke war nicht fahrbar

Nun, wir haben uns dann einfach leicht frierend eine Alternativroute gesucht. Und spätestens nach dem leckern Kaiserschmarrn auf der Burgeralm war das Elend vergessen. Nachdem wir wieder im Tal angekommen waren, ließ sich sogar die Sonne blicken und einem Tour-Abschlussbier in der legendären Seealm stand nix mehr im Wege!

Fazit!?

Braucht so eine grandiose Tour ein Fazit? Eigentlich nicht! Aber wo ich schon mal dabei bin: Das Konzept, mit einem Rucksack einfach mal eine Woche auf Tour zu gehen hat etwas Leichtes, Unverbrauchtes, Schönes! Drei Radhosen, drei Unterhemden, drei Trikots. Was zum Schlafen, ne kurze Hose und ein T-Shirt. Mehr braucht es nicht für ein echtes (Micro-) Abenteuer. Doch! Man braucht auch ne Zahnbürste und eine Kreditkarte. Aber sonst nix! Halt! Ein bisschen Bargeld vielleicht noch. Und Duschgel. Aber sonst nix. Ein guter Freund sollte dabei sein. Dann macht es doppelt und dreifach Spaß!

Ein paar Fotos gibt es bei Flickr - viel Spaß!